Wegfall der Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen - Was Betreiber wissen müssen

  • Seit dem 1. Januar 2023 ist eine der wichtigsten steuerlichen Änderungen für Photovoltaik-Anlagen in Kraft: Der komplette Wegfall der Mehrwertsteuer (19%) auf Solaranlagen und deren Komponenten. Diese Neuregelung bringt erhebliche finanzielle Vorteile, wirft aber auch einige Fragen auf.

    Die wichtigsten Fakten im Überblick

    Was ist neu:

    • 0% Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen bis 30 kWp (Wohngebäude) bzw. 15 kWp (andere Gebäude)
    • Rückwirkend gültig seit 1. Januar 2023
    • Keine Anmeldung beim Finanzamt erforderlich
    • Automatische Anwendung durch Lieferanten und Installateure

    Ersparnis-Beispiele:

    • 10 kWp Anlage: Früher 15.000€ → jetzt 12.605€ (2.395€ Ersparnis)
    • 15 kWp Anlage: Früher 22.000€ → jetzt 18.487€ (3.513€ Ersparnis)
    • Batteriespeicher 10 kWh: Früher 8.000€ → jetzt 6.723€ (1.277€ Ersparnis)

    Für wen gilt die Regelung?

    Anwendungsbereich:

    Photovoltaik-Module und WechselrichterBatteriespeicher (auch nachträglich)Installationsarbeiten durch FachbetriebeÜberwachungs- und SteuerungssystemeElektroinstallation im Rahmen der PV-AnlageBalkonkraftwerke bis 800W

    Voraussetzungen:

    • Wohngebäude: Anlagen bis 30 kWp installierte Leistung
    • Andere Gebäude: Anlagen bis 15 kWp installierte Leistung
    • Installation auf/an Gebäuden (nicht Freiflächen)
    • Lieferung an Betreiber (nicht an Gewerbetreibende zum Weiterverkauf)

    Was bedeutet das konkret für Anlagenbetreiber?

    Für Neukunden (ab 2023):

    • Sofortige Ersparnis: 19% weniger Anschaffungskosten
    • Bessere Wirtschaftlichkeit: Kürzere Amortisationszeiten
    • Keine Vorsteuerpflicht: Vereinfachte Steuerbehandlung
    • Kein Kleinunternehmer-Status mehr steuerlich relevant

    Für Bestandsanlagen:

    • Keine rückwirkende Erstattung für vor 2023 gekaufte Anlagen
    • Zukünftige Erweiterungen: Profitieren von 0% MwSt.
    • Batteriespeicher-Nachrüstung: Seit 2023 ohne MwSt. möglich

    Häufige Fragen und Antworten

    Muss ich etwas beantragen?

    Nein. Die 0% Mehrwertsteuer werden automatisch angewendet. Seriöse Anbieter berechnen seit Januar 2023 automatisch keine MwSt. mehr.

    Was ist mit der Kleinunternehmerregelung?

    Die Kleinunternehmerregelung ist bei 0% MwSt. nicht mehr relevant. Sie können trotzdem Kleinunternehmer bleiben, müssen aber keine Umsatzsteuer auf Stromverkäufe abführen.

    Gilt das auch für Balkonkraftwerke?

    Ja! Auch Mini-PV-Anlagen bis 800W sind von der 0% MwSt. erfasst. Das macht Balkonkraftwerke noch attraktiver.

    Was passiert bei Anlagen über 30 kWp?

    Anlagen über den Grenzwerten unterliegen weiterhin der normalen 19% MwSt. Eine Aufteilung bei gemischten Lieferungen ist möglich.

    Steuerliche Behandlung nach dem MwSt.-Wegfall

    Einkommensteuer:

    • Liebhaberei-Regelung: Bei Anlagen bis 30 kWp meist keine Gewinnerzielungsabsicht
    • Keine EÜR erforderlich: Vereinfachte steuerliche Behandlung
    • Stromverkauf steuerfrei: Bei typischen Hausanlagen unter Liebhaberei

    Umsatzsteuer:

    • Keine Anmeldepflicht beim Finanzamt
    • Keine Vorsteuern abziehbar (aber auch nicht relevant bei 0% MwSt.)
    • Keine monatlichen/quartalsweisen Meldungen

    Praktische Auswirkungen auf die Anlagenplanung

    Größere Anlagen werden attraktiver:

    Durch die 19% Ersparnis können sich auch größere Anlagen rechnen, die vorher knapp über der Wirtschaftlichkeitsgrenze lagen.

    Batteriespeicher profitieren besonders:

    Bei einem 10 kWh Speicher für 8.000€ spart man 1.277€ - das entspricht fast 16% der Speicherkosten!

    Vereinfachte Kostenrechnung:

    Angebote sind jetzt direkt vergleichbar, da alle Preise bereits Endpreise ohne MwSt. sind.

    Wichtige Hinweise für den Kauf

    Bei der Angebotseinholung:

    • Preise ohne MwSt. verlangen: Viele Anbieter weisen noch alte Preise aus
    • Schriftliche Bestätigung: Dass 0% MwSt. angewendet wird
    • Rechnungsprüfung: Keine 19% MwSt. sollten ausgewiesen sein

    Achtung vor unseriösen Anbietern:

    • Manche Anbieter haben die Ersparnis nicht weitergegeben
    • Preise vergleichen: Mit Angeboten von vor 2023
    • Nachfragen: Warum keine MwSt.-Ersparnis weitergegeben wird

    Beispielrechnung: Wirtschaftlichkeit 2025

    Anlage: 8 kWp mit 6 kWh Batteriespeicher

    • Komponenten: 6.000€ (früher 7.140€)
    • Installation: 3.000€ (früher 3.570€)
    • Gesamtkosten: 9.000€ statt 10.710€
    • Ersparnis: 1.710€ (16% günstiger!)

    Amortisation:

    • Stromersparnis: 1.200€/Jahr
    • Einspeisung: 200€/Jahr
    • Amortisationszeit: 6,4 Jahre statt 7,6 Jahre

    Ausblick und Empfehlungen

    Für Interessenten:

    • Jetzt ist der beste Zeitpunkt für eine PV-Investition
    • Angebote ohne MwSt. einholen und vergleichen
    • Größere Anlagen prüfen: Durch Wegfall der MwSt. oft wirtschaftlicher

    Für Bestandsanlagenbetreiber:

    • Erweiterungen planen: Profitieren von 0% MwSt.
    • Batteriespeicher nachrüsten: Deutlich günstiger geworden
    • Modernisierung alter Wechselrichter: Ohne MwSt.-Belastung

    Der Wegfall der Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen ist eine der größten steuerlichen Erleichterungen für Solarenergie in Deutschland. Die 19% Ersparnis macht Photovoltaik noch wirtschaftlicher und attraktiver. Gleichzeitig vereinfacht sich die steuerliche Behandlung erheblich.

    Wichtig: Achten Sie darauf, dass Anbieter die Ersparnis auch tatsächlich weitergeben. Bei seriösen Anbietern sollten seit 2023 alle Preise bereits ohne MwSt. kalkuliert sein.

    Die Neuregelung gilt unbefristet und ist ein wichtiger Baustein der Energiewende-Politik. Wer jetzt eine PV-Anlage plant, profitiert von optimalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.


    Stand: Juni 2025. Alle Angaben ohne Gewähr. Bei steuerlichen Fragen empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Steuerberater.

  • Was mir dabei sofort einfällt: Der Wegfall der Mehrwertsteuer ist super fürs Klima UND für die soziale Gerechtigkeit! Denn plötzlich wird’s auch für Normalverdiener erschwinglich, sich eine PV-Anlage aufs Dach zu pappen – der Traum von ein bisserl mehr Unabhängigkeit vom Stromriesen rückt näher. Gerade für Familien mit wenig Rücklagen war die MwSt früher oft der Showstopper… Jetzt könnten mehr Leute partizipieren und die Energiewende wird nicht zum Luxusprojekt 🙏 Was mich aber interessiert: Wie machen das die Installateure bei Verträgen, die schon fix aber noch nicht ausgeführt waren? Gab’s da bei jemandem Diskussionen wegen alter Angebote mit MwSt?

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